Betriebliche Altersvorsorge: Wann sich die bAV lohnt

Die bAV wird gern als Selbstläufer verkauft: Steuern sparen, Sozialabgaben sparen, Arbeitgeber zahlt mit. Der Haken kommt später – und er entscheidet, ob sich das Ganze für dich rechnet.

Stand: August 2026 · Werte auf Basis der Beitragsbemessungsgrenze Rentenversicherung 2026 (101.400 € im Jahr).

Das Wichtigste in Kürze

So funktioniert die Entgeltumwandlung

Ein Teil deines Bruttogehalts wandert direkt in einen Vorsorgevertrag, statt ausgezahlt zu werden. Weil dieser Teil nicht als Lohn gilt, fallen darauf weder Lohnsteuer noch Sozialabgaben an – dein Nettogehalt sinkt also weniger stark, als der eingezahlte Betrag vermuten lässt.

Grenze 2026Betrag im JahrIm Monat
Steuerfrei (8 % der BBG)rund 8.112 €rund 676 €
Sozialabgabenfrei (4 % der BBG)rund 4.056 €rund 338 €

Wichtig: Zwischen 4 % und 8 % sparst du zwar Steuern, aber keine Sozialabgaben mehr. Der attraktivste Bereich ist deshalb meist der bis 4 %.

Der Arbeitgeberzuschuss entscheidet

Seit 2022 sind Arbeitgeber verpflichtet, mindestens 15 % des umgewandelten Betrags zuzuschießen – als Ausgleich dafür, dass sie durch die Umwandlung Sozialabgaben sparen. Das ist die gesetzliche Untergrenze, keine Zielmarke.

Frag deshalb konkret nach der Höhe des Zuschusses, bevor du unterschreibst. Diese eine Zahl ist wichtiger als jedes Produktdetail.

Der Haken: die nachgelagerte Besteuerung

Was du heute sparst, holt sich der Staat später zurück – und das gründlicher, als viele erwarten:

bAV oder eigener ETF-Sparplan?

Betriebliche AltersvorsorgeEigener ETF-Sparplan
Einzahlungaus dem Brutto, Zuschuss vom Arbeitgeberaus dem Netto
Kostenje nach Vertrag teils hochniedrig, ab etwa 0,2 % im Jahr
Flexibilitätgebunden bis zur Rente, Jobwechsel kompliziertjederzeit anpassbar, kündbar, mitnehmbar
AuszahlungSteuer plus voller KV/PV-Beitragnur Abgeltungsteuer auf Gewinne
Anlageoft konservativ, Garantien kosten Renditefrei wählbar

Kurz: Die bAV punktet über den Zuschuss und die Steuerersparnis heute, der ETF-Sparplan über Kosten, Flexibilität und die günstigere Besteuerung später. Bei einem großzügigen Arbeitgeber gewinnt meist die bAV, bei der gesetzlichen Mindestlösung häufig der Sparplan.

Bevor du unterschreibst

  1. Zuschusshöhe erfragen – die wichtigste Zahl.
  2. Kosten des Vertrags prüfen: Abschluss- und Verwaltungskosten fressen sonst den Steuervorteil auf.
  3. Durchführungsweg klären: Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds – jeder hat eigene Regeln bei Jobwechsel.
  4. Garantien hinterfragen: Eine hohe Beitragsgarantie klingt sicher, drückt aber die Renditechance über Jahrzehnte erheblich.
  5. Reihenfolge einhalten: Erst Notgroschen und BU-Absicherung, dann langfristig binden.

Häufige Fragen

Was passiert bei einem Jobwechsel?

Du kannst den Vertrag beitragsfrei stellen, privat weiterzahlen oder – wenn der neue Arbeitgeber mitspielt – übertragen. Ein voller Anbieterwechsel ist oft schwierig und mit Kosten verbunden. Wer häufige Wechsel erwartet, sollte das bei der Entscheidung mitbedenken.

Kann ich mir die bAV auf einen Schlag auszahlen lassen?

Viele Verträge erlauben eine Kapitalauszahlung statt lebenslanger Rente. Steuerlich kann das ungünstig sein, weil der gesamte Betrag in einem Jahr versteuert wird – die Fünftelregelung mildert das nur teilweise ab. Rechne beide Varianten durch, bevor du dich festlegst.

Lohnt sich die bAV bei niedrigem Einkommen?

Vorsicht: Wer wenig verdient, senkt durch die Umwandlung auch seine gesetzliche Rente und andere lohnabhängige Leistungen wie Arbeitslosen- oder Elterngeld. Für Geringverdiener gibt es zwar spezielle Förderungen über den Arbeitgeber, doch die allgemeine Entgeltumwandlung ist hier oft nicht die beste Wahl.

Und die geförderten Privatverträge?

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