Altersvorsorge: Rentenlücke verstehen – und rechtzeitig schließen
Die gesetzliche Rente wird für die meisten nicht reichen, um den Lebensstandard zu halten. Die gute Nachricht: Wer früh anfängt, braucht überraschend wenig pro Monat, um die Lücke zu schließen.
Stand: August 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Die gesetzliche Rente liegt für viele bei rund der Hälfte des letzten Nettoeinkommens – die Differenz ist deine Rentenlücke.
- Deine voraussichtliche Rente steht in der jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung.
- Zeit ist dein größter Hebel: Dank Zinseszins kostet dieselbe Zusatzrente mit 25 nur einen Bruchteil dessen, was sie mit 45 kostet.
- Ein ETF-Sparplan ist für viele der flexibelste und günstigste Kern der privaten Vorsorge.
- Geförderte Wege wie die betriebliche Altersvorsorge lohnen sich vor allem, wenn der Arbeitgeber ordentlich zuschießt.
Wie groß ist meine Rentenlücke?
Die grobe Rechnung in drei Schritten:
- Voraussichtliche Rente ablesen: Die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung kommt jährlich per Post (ab 27 Jahren und 5 Beitragsjahren) und nennt deine hochgerechnete Rente.
- Bedarf schätzen: Als Faustregel brauchst du im Ruhestand etwa 80 % deines heutigen Nettoeinkommens.
- Differenz bilden: Bedarf minus erwartete Rente = monatliche Rentenlücke. Bei vielen liegt sie bei mehreren hundert Euro.
Wichtig: Die Zahlen in der Renteninformation sind Hochrechnungen vor Steuern und Inflation – die tatsächliche Kaufkraft liegt eher niedriger. Die Lücke ist also selten kleiner als gedacht.
Das Drei-Schichten-Modell
| Schicht | Was dazugehört | Kurz gesagt |
|---|---|---|
| 1. Basisversorgung | Gesetzliche Rente, Beamtenversorgung, Rürup | Das Fundament – reicht allein meist nicht. |
| 2. Geförderte Vorsorge | Betriebliche Altersvorsorge (bAV), Riester | Lohnt sich, wenn Zuschüsse und Förderung die oft hohen Kosten überwiegen. |
| 3. Private Vorsorge | ETF-Sparplan, Depot, Immobilien | Flexibel und günstig – für viele der wichtigste Baustein. |
Warum früh anfangen so viel ausmacht
Angenommen, du willst bis 67 etwa 200.000 € ansparen und rechnest mit 6 % Rendite pro Jahr:
- Start mit 25: rund 90 € pro Monat reichen.
- Start mit 35: schon rund 175 € pro Monat.
- Start mit 45: rund 370 € pro Monat.
Der Unterschied ist fast ausschließlich Zinseszins. Deshalb gilt: Der beste Zeitpunkt anzufangen war gestern – der zweitbeste ist heute. Rechne dein eigenes Szenario im Zinseszinsrechner durch.
Rentenlücken-Rechner
Deine Rentenlücke: – · Benötigtes Kapital: – · Nötige Sparrate: –
Vereinfachte Rechnung: Kapitalbedarf nach der 4-%-Entnahmeregel (25 × Jahreslücke), Sparrate bei angenommenen 6 % Rendite pro Jahr, ohne Inflation und Steuern.
Der ETF-Sparplan als Kern der privaten Vorsorge
Für die dritte Schicht ist ein weltweit gestreuter Aktien-ETF per Sparplan für viele die einfachste Lösung: niedrige Kosten, volle Flexibilität, keine Vertragsbindung. Bei 30 oder 40 Jahren Anlagehorizont ist das Schwankungsrisiko breiter Aktienmärkte historisch gut verkraftbar – und je näher der Ruhestand rückt, desto mehr schichtest du schrittweise in sichere Anlagen wie Tages- und Festgeld um.
Was ist mit bAV und Riester?
- Betriebliche Altersvorsorge: Prüfenswert, wenn dein Arbeitgeber deutlich zuschießt (Pflichtzuschuss 15 %, viele zahlen mehr). Bedenke: Auf die spätere Betriebsrente fallen Steuern und ggf. Krankenkassenbeiträge an, und bei Jobwechseln sind Verträge oft unflexibel.
- Riester & Rürup: Stark abhängig von deiner Situation (Kinderzulagen!) und den Produktkosten. Viele Altverträge sind teuer – lass bestehende Verträge prüfen, bevor du kündigst, denn Kündigen kann Zulagen kosten.
Grundsatz: Erst die kostenlosen und geförderten Zuschüsse mitnehmen, die sich klar rechnen – den Rest flexibel und günstig selbst anlegen.
Häufige Fragen
Reicht die gesetzliche Rente nicht doch?
Für die meisten nicht: Sie liegt oft nur bei rund der Hälfte des letzten Nettoeinkommens, während der Bedarf im Ruhestand bei etwa 80 % liegt. Die genaue Lücke zeigt dir der Rechner oben – auf Basis deiner Renteninformation.
Lohnt sich der Start auch noch mit 40 oder 50?
Ja – jeder Jahrzehnt-Vorsprung hilft, aber auch 15 oder 20 Jahre Zinseszins machen einen großen Unterschied. Wer später startet, braucht eine höhere Sparrate, nicht eine andere Strategie.
Soll ich meinen alten Riester-Vertrag kündigen?
Nicht vorschnell: Bei einer Kündigung können Zulagen und Steuervorteile zurückzuzahlen sein. Oft ist Beitragsfreistellung die bessere Option – lass den Vertrag vor einer Entscheidung unabhängig prüfen.
Spiel dein Renten-Szenario im Rechner durch.