Altersvorsorge: Rentenlücke verstehen – und rechtzeitig schließen

Die gesetzliche Rente wird für die meisten nicht reichen, um den Lebensstandard zu halten. Die gute Nachricht: Wer früh anfängt, braucht überraschend wenig pro Monat, um die Lücke zu schließen.

Stand: August 2026

Das Wichtigste in Kürze

Wie groß ist meine Rentenlücke?

Die grobe Rechnung in drei Schritten:

  1. Voraussichtliche Rente ablesen: Die Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung kommt jährlich per Post (ab 27 Jahren und 5 Beitragsjahren) und nennt deine hochgerechnete Rente.
  2. Bedarf schätzen: Als Faustregel brauchst du im Ruhestand etwa 80 % deines heutigen Nettoeinkommens.
  3. Differenz bilden: Bedarf minus erwartete Rente = monatliche Rentenlücke. Bei vielen liegt sie bei mehreren hundert Euro.

Wichtig: Die Zahlen in der Renteninformation sind Hochrechnungen vor Steuern und Inflation – die tatsächliche Kaufkraft liegt eher niedriger. Die Lücke ist also selten kleiner als gedacht.

Das Drei-Schichten-Modell

SchichtWas dazugehörtKurz gesagt
1. Basisversorgung Gesetzliche Rente, Beamtenversorgung, Rürup Das Fundament – reicht allein meist nicht.
2. Geförderte Vorsorge Betriebliche Altersvorsorge (bAV), Riester Lohnt sich, wenn Zuschüsse und Förderung die oft hohen Kosten überwiegen.
3. Private Vorsorge ETF-Sparplan, Depot, Immobilien Flexibel und günstig – für viele der wichtigste Baustein.

Warum früh anfangen so viel ausmacht

Angenommen, du willst bis 67 etwa 200.000 € ansparen und rechnest mit 6 % Rendite pro Jahr:

Der Unterschied ist fast ausschließlich Zinseszins. Deshalb gilt: Der beste Zeitpunkt anzufangen war gestern – der zweitbeste ist heute. Rechne dein eigenes Szenario im Zinseszinsrechner durch.

Rentenlücken-Rechner

€/Monat
€/Monat

Deine Rentenlücke: · Benötigtes Kapital: · Nötige Sparrate:

Vereinfachte Rechnung: Kapitalbedarf nach der 4-%-Entnahmeregel (25 × Jahreslücke), Sparrate bei angenommenen 6 % Rendite pro Jahr, ohne Inflation und Steuern.

Der ETF-Sparplan als Kern der privaten Vorsorge

Für die dritte Schicht ist ein weltweit gestreuter Aktien-ETF per Sparplan für viele die einfachste Lösung: niedrige Kosten, volle Flexibilität, keine Vertragsbindung. Bei 30 oder 40 Jahren Anlagehorizont ist das Schwankungsrisiko breiter Aktienmärkte historisch gut verkraftbar – und je näher der Ruhestand rückt, desto mehr schichtest du schrittweise in sichere Anlagen wie Tages- und Festgeld um.

Was ist mit bAV und Riester?

Grundsatz: Erst die kostenlosen und geförderten Zuschüsse mitnehmen, die sich klar rechnen – den Rest flexibel und günstig selbst anlegen.

Häufige Fragen

Reicht die gesetzliche Rente nicht doch?

Für die meisten nicht: Sie liegt oft nur bei rund der Hälfte des letzten Nettoeinkommens, während der Bedarf im Ruhestand bei etwa 80 % liegt. Die genaue Lücke zeigt dir der Rechner oben – auf Basis deiner Renteninformation.

Lohnt sich der Start auch noch mit 40 oder 50?

Ja – jeder Jahrzehnt-Vorsprung hilft, aber auch 15 oder 20 Jahre Zinseszins machen einen großen Unterschied. Wer später startet, braucht eine höhere Sparrate, nicht eine andere Strategie.

Soll ich meinen alten Riester-Vertrag kündigen?

Nicht vorschnell: Bei einer Kündigung können Zulagen und Steuervorteile zurückzuzahlen sein. Oft ist Beitragsfreistellung die bessere Option – lass den Vertrag vor einer Entscheidung unabhängig prüfen.

Wie viel musst du monatlich zurücklegen?

Spiel dein Renten-Szenario im Rechner durch.

Zum Zinseszinsrechner