Robo-Advisor oder selbst anlegen: Was lohnt sich für dich?
Ein Robo-Advisor nimmt dir alles ab: Auswahl, Aufteilung, Rebalancing. Dafür zahlst du eine laufende Gebühr – und die ist über Jahrzehnte teurer, als die Prozentzahl vermuten lässt.
Stand: August 2026 · Gebühren ändern sich – prüfe die aktuellen Konditionen direkt beim Anbieter.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Robo-Advisor legt dein Geld nach einem Fragebogen zur Risikoneigung automatisch in ETF-Portfolios an.
- Kosten: typischerweise 0,3–1,0 % pro Jahr Servicegebühr, zusätzlich zu den ETF-Kosten.
- Der eigene Sparplan kostet dagegen nur die TER des ETFs – oft 0,2 % oder weniger.
- Über 30 Jahre kann der Gebührenunterschied einen fünfstelligen Betrag ausmachen.
- Der Robo lohnt sich, wenn er dich überhaupt erst zum Investieren bringt – kein Depot ist teurer als ein teures Depot.
Was ein Robo-Advisor tatsächlich macht
Nach einem kurzen Fragebogen zu Anlagehorizont und Risikobereitschaft stellt der Anbieter ein Portfolio aus ETFs zusammen – meist Aktien plus Anleihen in einer Quote, die zu deinen Antworten passt. Danach übernimmt er das Rebalancing, legt Ausschüttungen wieder an und schickt dir Berichte. Manche Anbieter steuern die Quote zusätzlich aktiv nach Marktlage.
Wichtig zur Einordnung: Das ist Vermögensverwaltung, keine persönliche Beratung. Und die Anlage selbst ist genau das, was du auch allein kaufen könntest – die ETFs sind dieselben.
Der Kostenvergleich
| Robo-Advisor | Eigener ETF-Sparplan | |
|---|---|---|
| Servicegebühr | ca. 0,3–1,0 % pro Jahr | keine |
| ETF-Kosten (TER) | ca. 0,15–0,3 % | ca. 0,1–0,3 % |
| Depotführung | meist enthalten | 0 € bei guten Brokern |
| Gesamt pro Jahr | etwa 0,5–1,3 % | etwa 0,1–0,3 % |
| Dein Aufwand | Fragebogen, dann nichts | einmal einrichten, jährlich kurz prüfen |
Was ein Prozentpunkt Unterschied ausmacht, siehst du am besten selbst: Trage im Zinseszinsrechner einmal 6 % und einmal 5 % Rendite ein, bei gleicher Sparrate und 30 Jahren Laufzeit. Die Lücke zwischen beiden Ergebnissen ist die Gebühr – und sie wächst mit jedem Jahr, weil sie auf den gesamten Depotwert berechnet wird, nicht auf deine Einzahlung.
Wann ein Robo-Advisor die richtige Wahl ist
- Wenn du sonst gar nicht anfängst. Das ist das stärkste Argument: 1 % Gebühr auf ein laufendes Depot schlägt 0 % auf ein Depot, das nie eröffnet wurde.
- Wenn du dich nachweislich nicht kümmern willst – auch nicht einmal im Jahr, auch nicht für 15 Minuten.
- Wenn du zu Panikverkäufen neigst. Manche halten im Crash eher durch, wenn das Depot nicht nach ihnen fragt.
- Bei einem komplexeren Wunschportfolio aus vielen Bausteinen, das du sonst manuell ausbalancieren müsstest.
Wann du besser selbst anlegst
- Wenn ein Welt-ETF reicht. Für die meisten ist genau das die passende Lösung – und dafür braucht es keine Automatik, weil sich der Index selbst gewichtet.
- Wenn dein Depot wächst. Die Gebühr ist prozentual: Bei 200.000 € sind 0,8 % pro Jahr 1.600 € – für eine Dienstleistung, die im Kern aus einem jährlichen Rebalancing besteht.
- Wenn du die Kontrolle willst – etwa über die konkreten ETFs, die Ausschüttungsvariante oder den Zeitpunkt von Verkäufen.
Der Mittelweg
Es muss nicht alles oder nichts sein. Viele starten mit einem Robo, um überhaupt loszulegen, und schichten nach ein, zwei Jahren auf einen eigenen Sparplan um, wenn das Thema vertraut ist. Umgekehrt geht es auch: Wer merkt, dass er sein Depot ständig „optimiert" und dabei Rendite verliert, ist mit der Automatik womöglich besser bedient. Beachte beim Wechsel nur, dass ein Verkauf Steuern auslöst – oft ist es besser, das alte Portfolio liegen zu lassen und nur die neuen Raten umzulenken.
Häufige Fragen
Ist mein Geld beim Robo-Advisor sicher?
Die ETFs sind auch dort Sondervermögen und liegen in einem Depot bei einer Partnerbank – bei einer Pleite des Anbieters gehören sie weiterhin dir. Das Anlagerisiko selbst nimmt dir aber niemand ab: Ein Robo-Portfolio schwankt genauso wie ein selbst gebautes.
Bringen die aktiven Robos mehr Rendite?
Anbieter, die die Quote aktiv nach Marktlage steuern, versprechen das gern. Verlässliche Belege dafür, dass sie passive Portfolios nach Kosten dauerhaft schlagen, gibt es nicht. Wenn du dich für einen Robo entscheidest, ist die günstige, regelbasierte Variante meist die vernünftigere.
Kann ich beim Robo einen Freistellungsauftrag stellen?
Ja – bei deutschen Anbietern läuft das wie beim eigenen Depot über die Partnerbank. Denk daran, deinen Pauschbetrag passend zu verteilen, wenn du zusätzlich ein eigenes Depot hast.
Ein kostenloses Depot ist der erste Schritt.